Story 4
Croissant
1 Minute · Legende
Die Legende kennt jeder: Bei der Belagerung Wiens 1683 hätten Bäcker nachts das Graben der Osmanen gehört, Alarm geschlagen und zur Feier ein Gebäck in Form des osmanischen Halbmonds gebacken.
Das Problem
Für diese Geschichte gibt es keinen zeitgenössischen Beleg. Sie taucht erst im 19. Jahrhundert in Kochbüchern auf – also rund 200 Jahre später.
Was sich belegen lässt
Das Wiener Kipferl gibt es tatsächlich lange, es war aber ein dichtes Hefegebäck, kein Blätterteig. 1839 eröffnete der Wiener Offizier August Zang in Paris die „Boulangerie Viennoise“ und machte Wiener Gebäck dort zum Trend – daher heißen Croissants in Frankreich bis heute viennoiserie, „Wiener Ware“.
Das Croissant, wie wir es kennen – aus tourniertem, gefaltetem Butterteig – ist eine französische Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts. Das erste Rezept dafür ist um 1905/1906 dokumentiert.
Quellen ansehen
Jim Chevallier, „August Zang and the French Croissant“; Alan Davidson, „The Oxford Companion to Food“