Story 18
Der Knopf, den man nie schließt
1 Minute · Legende
Die Regel ist eisern: Beim Zweireiher… nein, beim Einreiher schließt man den unteren Knopf nie. Bei drei Knöpfen: manchmal oben, immer Mitte, nie unten. Auch bei Westen bleibt der letzte Knopf offen.
Die Erklärung, die alle kennen
Edward VII., britischer König ab 1901 und einflussreichster Modemann seiner Zeit, war ein Genussmensch von beträchtlichem Umfang. Er ließ – so die Erzählung – den untersten Westenknopf offen, weil es bequemer war. Der Hof machte es nach, aus Höflichkeit. Danach die feine Gesellschaft. Dann alle.
Wie sicher ist das?
Es ist die am häufigsten erzählte Version und passt gut zu Edwards dokumentiertem Modeeinfluss – er hat auch die Hosenumschläge und das Rauchen nach dem Dinner salonfähig gemacht. Ein zeitgenössischer Beleg für den konkreten Knopf-Moment fehlt aber.
Die nüchterne Alternative: Sakkos und Westen jener Zeit waren am unteren Knopf geschnitten wie ein Reitrock. Geschlossen zieht der Stoff hässlich und behindert beim Sitzen – und im Sattel. Die Regel ist also womöglich einfach Schnittlogik, die sich später eine Anekdote gesucht hat.
Quellen ansehen
Modehistorische Literatur zu Edward VII.; Bernhard Roetzel, „Der Gentleman“