Story 20
Knöpfe am Sakkoärmel
1 Minute · wahrscheinlich
An fast jedem Sakkoärmel sitzen drei oder vier Knöpfe, die nichts halten. Bei billigen Anzügen sind sie sogar aufgenäht, ohne Knopfloch.
Die Legende
Napoleon habe seinen Soldaten Knöpfe an die Ärmel nähen lassen, damit sie sich nicht mit dem Ärmel die Nase abwischen. Charmant – aber ohne Quelle und vermutlich erfunden.
Die wahrscheinlichere Erklärung
Frühe Mäntel und Uniformröcke hatten am Ärmel tatsächlich funktionierende Knöpfe. Man konnte den Ärmel öffnen und hochkrempeln – wichtig für Ärzte, Handwerker und alle, die mit den Händen arbeiteten, ohne den Rock auszuziehen. Bei militärischen Uniformen half es beim Anziehen enger Ärmel.
Als Sakkos zur reinen Repräsentationskleidung wurden, blieb das Detail – als dekorativer Rest einer Funktion.
Der Insider-Code
Bei maßgeschneiderten Sakkos lassen sich die Ärmelknöpfe bis heute wirklich öffnen: die sogenannten surgeon's cuffs, „Chirurgenmanschetten“. Wer den untersten offen trägt, signalisiert damit still: Das hier ist kein Anzug von der Stange. Manche finden das elegant, andere albern.
Quellen ansehen
Bernhard Roetzel, „Der Gentleman“; Savile-Row-Schneiderliteratur